Matthäus 3,17
Und siehe, eine Stimme vom Himmel herab sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.

Markus 1,11
Und da geschah eine Stimme vom Himmel: Du bist mein lieber Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen.

Lukas 3,22
und der heilige Geist fuhr hernieder auf ihn in leiblicher Gestalt wie eine Taube, und eine Stimme kam aus dem Himmel: Du bist mein lieber Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen.

Aus dem in den verschiedenen Evangelien aufgezeichneten Wortlaut dessen, was die Stimme vom Himmel verkündete, nachdem der Geist in Gestalt einer Taube auf Jesus herabgekommen war, scheint sich ein Widerspruch zu ergeben bzw. es ist nicht klar ersichtlich, an wen sich die Stimme richtete und zu wem Gott überhaupt sprach. Der Bericht in Markus und der in Lukas zeigen an, dass die Stimme offenbar an Jesus Christus selbst gerichtet war, denn es heißt: "DU bist mein lieber Sohn", wohingegen der Bericht in Matthäus den Anschein erweckt, als wäre er an Beistehende allgemein gerichtet gewesen, wenn es heißt: "DIESER ist mein lieber Sohn". Ist dies wirklich ein Widerspruch, und wie kann er in Einklang mit dem Rest der Schrift gelöst werden?

Zunächst wäre festzustellen, ob der jeweilige Wortlaut, den wir in unserer Bibel finden, tatsächlich dem Wortlaut der griechischen oder aramäischen Handschriften entspricht, oder ob hier unter Umständen eine fehlerhafte Übersetzung vorliegt, bzw. ob es möglicherweise eine andere Lesart zu diesen Textstellen gibt.

Markus und Lukas stimmen in ihrem Wortlaut überein, und auch bzgl. des Wortlauts in den alten griechischen Handschriften ist keinerlei außergewöhnliche oder von dem übersetzten Wortlaut abweichende Lesart zu berücksichtigen. Aus diesen zwei Berichten ergibt sich, dass die Stimme bei der Taufe Jesus im Jordan an Jesus selbst gerichtet war, nicht an andere Menschen, die lediglich als Beistehende anwesend waren.

Zu Matthäus 3,17 jedoch gibt es eine interessante Abweichung in einigen alten griechischen Manuskripten; einige haben in diesem Vers ebenfalls den Wortlaut: "Du bis mein lieber Sohn " (vgl. dazu Nestle/Aland, Novum Testamentum Graece, 27ed , Stuttgart: Deutsche Bibelgesellschaft, 1993). Mit diesem Wortlaut wäre diese Stelle in Einklang mit den anderen zwei Evangelien und dem, was diese über diese identische Situation berichten.

Dieser augenscheinliche Widerspruch löst sich also, wenn man die alten griechischen Handschriften vergleicht und die Lesart bevorzugt, die mit den anderen klaren Stellen über die identische Angelegenheit in den zwei anderen Evangelien übereinstimmt.

 

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