NT Handschriften



Einleitung

Diese kleine Schrift mit Informationen zur Überlieferung der NT Schriften ist lediglich eine Art Zusammenfassung einiger wichtiger Informationen, ohne dabei aber viele Details anzusprechen und auf viele Quellen einzugehen.

Das Neue Testament wurde ursprünglich vermutlich in Aramäisch und Griechisch aufgezeichnet, auch wurden schon sehr früh - und möglicherweise sogar noch unter Aufsicht der Apostel und ursprünglichen Schreiber - Übersetzungen in die jeweils andere Sprache angefertig. Auch gab es bereits sehr früh Übersetzungen ins Alt-Lateinische und in den frühen Jahrhunderten n.Chr. dann auch schon Übersetzungen in andere Sprachen, da das Evangelium sich rasch verbreitete und auch Völker erreichte, die mit Aramäisch, Griechisch und Lateinisch nicht vertraut waren. Einige Informationen zu diesem Themenkreis finden sich in der Studie Die alten Bibelübersetzungen.

Im Hinblick auf die biblischen Handschriften müssen wir im Auge behalten, dass die Bibel bis zur Erfindung des Buchdrucks durch Johannes Gutenberg handschriftlich kopiert und überliefert wurde. Von den NT Schriften sind heute über 5.000 Handschriften bzw. Fragmente von Handschriften gefunden und katalogisiert worden. Die meisten dieser Handschriften sind in griechischer Sprache, also einer der Sprachen in denen die Originale vermutlich aufgezeichnet wurden.

Die älteren Handschriften sind alle in Großbuchstaben verfasst und aufgrund dieses Umstandes als "Unzialhandschriften" oder "Unziale" bekannt. In dieser Handschriften steht der Text in Großbuchstaben ohne jegliche Zwischenräume bei WÖrtern und Sätzen und auch ohne Satzzeichen. Die ältesten dieser Handschriften sind die sogenannten "Papyrushandschriften", die größtenteils erst im Laufe des 20. Jahrhunderts entdeckt wurden bzw. aufgetaucht sind, wobei das wohl älteste bekannte und auch bedeutendste Fragment als P52 bekannt ist, welches aus der Zeit um 125 n.Chr. stammt.

Beispiel - Seite aus p66

Diese Papyrushandschriften sind alle unvollständig, d.h. keine davon enthält das gesamte Neue Testament. Einige enthalten die Evangelien, einige auch die Apostelgeschichte, ein anderer Teil umfasst die Paulus Briefe, manche enthalten die allgemeinen Briefe und auch das Buch der Offenbarung. Die ersten vollständigen NT Handschriften und weitere bekannte Unzialhandschriften mit der gesamten Bibel (AT und NT) stammen aus der Zeit zwischen dem 3./4. und dem 11. Jahrhundert n.Chr., darunter die sogenannten "Majuskeln" (ein anderer Begriff für "Unziale". Diese sind dann auch nicht mehr auf Papyrus geschrieben, sondern auf Pergament.

Die wohl bekannteste dieser alten vollständigen Bibeln ist der Codex Sinaiticus, ein noch fast vollständig erhaltene komplette Bibel in griechischer Sprache aus dem 4. Jahrhundert n.Chr., deren fast abenteuerliche Entdeckung um die Mitte des 19. Jahhunderts in dem St. Katharinen Kloster auf der Sinai Halbinsel durch den deutschen Gelehrten Konstantin von Tischendorff weithin bekannt wurde (einige weitere Informationen hierzu gibt es auf der Seite Handschriftten Funde). Dieser Codex befindet sich heute zusammen mit einer anderen aus dem 5. Jahrhundert stammenden vollständigen Bibel, dem Codex Alexandrinus, im British Museum in London. Eine weitere vollständige Bibel aus dem 4. Jahrhundert ist der Codex Vaticanus, der in der Bibliothek des Vatikan in Rom aufbewahrt wird.

Beispiel - Seite aus dem Codex Alexandrinus

Beispiel - Seite aus dem Codex Sinaiticus

Beispiel - Seite aus dem Codex Vaticanus

Aus späterer Zeit stammt die größte Gruppe von NT Handschriften in griechischer Sprache, die sogenannten Minuskeln, die auch als "Kursive" bekannt sind, weil sie in kleineren Buchstaben und auch die Buchstaben schon in Art modernerer Handschriften miteinander verbunden sind. Der sogenannte "Mehrheitstext" (auch "Textus Receptus") spiegelt die Mehrheit des Textes diese Handschriften wieder. Dieser Text ist auch oft als byzantinischer Text bzw Koine Text bekannt geworden.

Neben diesen Handschriften des eigentlichen biblischen Texts gibt es noch eine größere Anzahl griechischer Handschriften, welche als Lektionare bezeichnet werden; diese enthalten die verschiedenen NT Texte (Perikopen) in der Reihenfolge der seit dem 4. Jahrhundert in den Kirchen verbindlichen Schriftlesungen für den Gottesdienst während eines Kirchenjahres. Es sind also keine biblischen Handschriften, keine handschriftlichen Abschriften der biblischen Bücher; aber diese Quellen sind dennoch von Wert für die biblische Textforschung, da uns der Wortlaut der biblischen Bücher aus vielen Textstellen der Neuen Testaments hier ebenfalls überliefert ist.

Wie schon erwähnt, fanden die biblischen Schriften schon sehr früh rasche Verbreitung in Teilen Asiens, Europas und Nord-Afrikas, und es wurden viele Abschriften angefertigt und auch Übersetzungen in andere Sprachen entstanden bereits sehr früh. Durch die Vielzahl der vorhandenen Kopien und Übersetzungen und die aus diesen Quellen ersichtliche große Übereinstimmung bzgl. des Wortlauts, kann man insgesamt von einer sehr sicheren und verläßlichen Überlieferung der NT Schriften ausgehen. Durch die intensive Erforschung der gefundenen alten Handschriften der biblischen Bücher, der Schriften der Kirchenväter und Lektionare, usw. ist es möglich geworden, den Wortlaut des ursprünglichenTextes fast vollständig zu erstellen bzw zu bestätigen. Nur sehr, sehr wenige Stellen stellen textlich Probleme dar oder lassen Fragen völlig offen.

Abschließend will ich noch hinzufügen, dass bei der Arbeit mit den biblischen Texten und den alten Handschriften das eigentlich wichtigste Prinzip für die Bestimmung des ursprünglichen Wortlauts bei vorliegenden Textvarianten nicht nur mit dem überlieferten Wortlaut in irgendeiner Handschrift zu tun hat, sondern damit, dass man den Inhalt der Bibel als Ganzes im Auge behält und erkennt, dass sich das Wort Gottes, so wie es ursprünglich von Gott eingegeben und aufgezeichnet wurde, nicht widersprechen wird, bzw. nicht widersprechen kann. Der sogenannte "interne Beweis" (also die Überlegungen vom Inhalt der Schriften her) ist schwerwiegender als der rein "äusserliche Beweis" (Überlegungen bzgl. Alter oder sonstiger äusserlicher Kriterien einer Handschrift).

Wir können dankbar sein, dass uns auch nach fast 2 Jahrtausenden die Bibel in zuverlässigem Wortlaut erhalten ist und wir uns auch heute vertrauensvoll auf den überlieferten Text in der Bibel als das von Gott offenbarte Wort Gottes verlassen können.

Geschichte der Bibel - Übersicht

Stand:  27.11.2019